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AktuellNicht jeder wartet auf die Revolution - einige tun auch etwas Das erste Sozialforum in Deutschland suchte nach Möglichkeiten konkreter Veränderungen. Etablierte Parteien waren nicht gefragt - außer PDS und WASG (von B. Honnigfort aus Erfurt, Frankfurter Rundschau) Nieselregen weht über dem Erfurter Domplatz, die Zeltplanen klatschen übellaunig im Wind, doch Diethard Möller, 55, Psychotherapeut aus Stuttgart, ist gehobener Stimmung. Wie ein Ritter seinen Schild trägt er Zeitungen vor der Brust, "Arbeit Zukunft", heißt das Blatt. Sehr meinungsstark, viele Marx- und Engels-Zitate, aber er wird sie nur schwer los. Dann beginnt die Konferenz. Ein Mann von der PDS-nahen Rosa-Luxemburg-Stiftung spricht über "Angst als verbindendes Element", das den Leistungswilligen als disziplinierendes Instrument vor Augen geführt werde. Etwa 70 Menschen hören zu, plaudern, lesen unzählige Flugblätter. Kurz darauf geht Herr Möller. "Man hat das doch alles schon gehört", sagt er. "Ich hatte mehr erwartet." Vermutlich sind es nicht die mehr als 300 Vorträge, Referate und Konferenzen, welche die geschätzten 1500 Teilnehmer von Donnerstagabend bis Sonntag zum ersten Sozialforum in Deutschland führen. Sicherlich haben die meisten das meiste schon andernorts gehört: Dass Reiche immer reicher und Arme immer ärmer werden, Globalisierung und Neoliberalismus ein Fluch sind, Menschenrechte fast überall mit Füßen getreten werden, George W. Bush ein Krieger ist, Kanzler Schröder weg muss, die Medien "gleichgeschaltet" sind und man von den etablierten Parteien wenig erwarten darf. Offenbar mit einer Ausnahme: Das Bündnis aus PDS und WASG ist deutlich vertreten in Erfurt. Keine Veranstaltung war so gut besucht wie die Diskussion zur neuen Linkspartei - sie scheint die Hoffnung des Herbstes für etliche Erfurt-Reisende. Aber eigentlich will das linke Spektrum Möglichkeiten konkreter Veränderungen ausloten. Nicht jeder wartet auf die Revolution, etliche fangen zu Hause an, ein kleines Stück der großen Welt zu reparieren. So verleiht Helmut Müllers Bürgerinitiative in Thüringen die "Goldene Nase", einen Preis für miese Arbeitgeber mit Billigstlöhnen. Alwine Schreiber-Martens aus Köln, 55, Mathematikerin, argumentiert in der "Initiative für natürliche Wirtschaftsordnung" für eine Marktwirtschaft ohne Kapitalismus und gegen Verschuldung. "Puh", sagt sie, "ich weiß, wie kompliziert das klingt." Ein Ingenieur sagt: "Montagsdemos reichen nicht", und setzt sich für den Urstromtaler, einer Regionalwährung in Sachsen-Anhalt, ein, denn: "Man muss auch Lösungen anbieten, mit irgendetwas anfangen." Die Kölner Mathematikerin nickt: "Man muss Ideen unters Volk bringen. Nur gegen etwas sein, das reicht nicht mehr." |
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