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AktuellTreffen des Unbehagens (von Petra Ahne, Berliner Zeitung) ERFURT, 24. Juli. Im Klassenzimmer eines Erfurter Gymnasiums, auf einem Klassenzimmer-Stuhl, der zu klein ist für ihn, sitzt Thomas Miska, 44, und sagt, dass er sich gestresst fühle von den Besuchen beim Arbeitsvermittler. "Weil man da einem Profi gegenübersitzt. Das ist nicht auf einer Augenhöhe". "Elo: Angst, Streß" schreibt der Moderator an die Tafel. Elo, so werden hier Erwerbslose genannt. Fast alle Menschen, die das Seminar "Schönes neues Jobcenter" besuchen, haben keine Arbeit, schon lange nicht. Thomas Miska aus Dortmund war Altenpfleger, jetzt ist er ALG-II-Empfänger und der Meinung, dass "man gegen die Parteien vorgehen muss, die uns den Mist eingebrockt haben". Er sagt, es mache krank, keine Arbeit zu haben. Vom Sozialforum erhoffe er sich "einen Aufbruch". Am anderen Ende der Stadt, in einem Zimmer der Fachhochschule, rücken zwei Stunden später etwa 30 junge Menschen ihre Stühle zu einem Kreis zusammen. Eine rothaarige Frau stellt sich als Isolde und Bewohnerin der Kommune Niederkaufungen in Hessen, vor, 70 Menschen leben dort. Sie wird gleich vom Leben in der Kommune erzählen. Jetzt sollen aber erstmal die Anwesenden sagen, warum sie sich fürs Leben in der Gemeinschaft interessieren. Er wolle herausfinden, ob die Kommune für ihn eine Lösung sein könne in einer Gesellschaft, die in einer Existenzkrise sei, sagt einer. "In meinem Freundeskreis stellen alle fest, dass die Zeiten vorbei sind, in denen man über den Beruf Bestätigung findet", sagt eine andere. "Wir suchen Alternativen". Es ist mehr eine Stimmung, ein Gefühl, das sich gefestigt hat, je mehr der vielen hundert Veranstaltungen zu Themen wie Neoliberalismus oder "Arbeit und Menschenwürde" man besuchte: Man kann wohl sagen, dass das erste Sozialforum Deutschland, das von Donnerstag bis Sonntag in Erfurt stattfand, tatsächlich ein sehr deutsches war. Dass die Veranstaltung, die sich in den vergangenen Jahren in Porto Alegre, in Genua, Paris, London als welt- und europaweites Treffen der Globalisierungskritiker etabliert hat, in ihrer deutschen Ausgabe vor allem eines war: Eine Zusammenkunft von Menschen, die sich unbehaglich fühlen in ihrem Land. Die Angst davor haben, wie sich die Gesellschaft durch die Sozialreformen verändert. "Die soziale Frage ist das dominierende Thema, das treibt alle um", sagt auch Hugo Braun, Sozialforums-Sprecher und Mitglied des Globalisierungskritiker-Netzwerks Attac, das das Treffen mitorganisiert hat. Als einen großen Erfolg kann man das Sozialforum wohl nicht bezeichnen: Statt der erwarteten 5 000 Teilnehmer sind höchstens 3 000 gekommen. Unter diesen waren zudem viele, die nicht zum typischen jungen, linken Sozialforums-Publikum gehören: Mitglieder von Arbeitsloseninitiativen, Gewerkschafter. "Was machen die ganzen alten Leute hier?" fragte am Eröffnungsabend im Festzelt am Domplatz ein junges Attac-Mitglied. Am Sonntag gab es eine Abschlusserklärung: Eine Regierung, die den "neoliberalen Umbau der Gesellschaft" weiter betreibe, müsse mit "massivem Widerstand" rechnen, heißt es darin. Was damit gemeint ist, können die Organisatoren am 5. September zeigen: Da soll es einen bundesweiten "Aktionstag" geben. |
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