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AktuellKontakt zu potenziellen Wählern (von Petra Ahne, Berliner Zeitung) ERFURT, 22. Juli. Irgendwann steht in der Aula des Erfurter Gymnasiums eine Frau auf und sagt, sie sei aus Frankreich, und dort beobachte man sehr genau das Projekt, in Deutschland eine neue linke Partei zu gründen. "Schon deswegen müsst ihr es schaffen, ihr müsst Erfolg haben", ruft sie. Vorne auf dem Podium lächeln leicht verlegen Katja Kipping, Vizechefin der Linkspartei.PDS, und Christine Buchholz vom WASG-Bundesvorstand. In der voll besetzten Aula wird applaudiert. Spätestens jetzt könnte man das Gefühl bekommen, auf einer Wahlveranstaltung von WASG und der Linkspartei.PDS, der beiden Partner des neuen linken Parteienprojekts zu sein. Aber das hier ist das Sozialforum, und normalerweise haben hier Parteien nichts zu suchen. Auf den Weltsozialforen in Porto Alegre und auf den Europäischen Sozialforen in Paris oder Genua war eines der Prinzipien, dass Politiker nicht öffentlich auftreten sollen. Auch in Erfurt, wo seit Donnerstagabend eine lokale Variante des Globalisierungskritiker-Treffens abgehalten wird, gilt die Regel- eigentlich. Doch irgendwie ist es passiert - zu einer Podiumsdiskussion am Freitagabend mit dem Titel "Guten Morgen, Gespenst! Annäherungen an das jähe Erscheinen eines Parteiprojekts" wurden auch zwei Vertreterinnen des Projekts geladen. Man könnte es konsequent nennen. Denn die neue Linkspartei ist so etwas wie das unausgesprochene Thema des ersten deutschen Sozialforums, bei dem sich 650 Veranstaltungen mit Themen wie Neoliberalismus, Globalisierung, Menschenrechten und den Sozialreformen in Deutschland auseinander setzen. So gut wie jeder, der hierher kommt, würde sich wohl als "links" bezeichnen, und muss sich die Frage stellen, ob das Bündnis aus PDS und Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit, kurz WASG, eine politische Heimat werden könnte. Die Linkspartei wiederum hat Interesse daran, Kontakt zu potenziellen Wählern aufzunehmen. 5 000 Sozialforums-Besucher waren angekündigt, am ersten Tag waren immerhin 1 500 da. Katja Kipping sagt, die Linkspartei habe extra wegen der Veranstaltung eine Vorstandssitzung verschoben. Kaum kritische Stimmen Wahrscheinlich hat sich das für die Partei gelohnt. Die Podiumsdiskussion zur Linkspartei ist wohl die bislang bestbesuchte Veranstaltung des Sozialforums, ein paar hundert Menschen sind gekommen. Es gehe um die Frage, wie sich die sozialen Bewegungen, die linken Vereine und Gruppen, zur neuen Partei verhalten, sagt Moderator und Soziologiedozent Rainer Rilling. Die Wortbeiträge aus dem Publikum vermitteln einen anderen Eindruck: Als sei es fraglos, dass man große Hoffnungen setzt in das Projekt. Eine historische Chance für die Linke sei dies, sagt einer. "Wir müssen aus dem linken Ghetto raus", sagt Christine Buchholz und bekommt viel Applaus. Katja Kipping fordert, sich nicht mehr wie Kleingärtner zu verhalten, sondern sich zu einem linken Projekt zu vereinen. Sie wird beklatscht. Kritische Stimmen sind selten. Am vorsichtigsten klingt noch Peter Wahl, Mitgründer des Globalisierungskritiker-Netzwerks Attac, der mit auf dem Podium sitzt. Es sei wichtig, die Autonomie der sozialen Bewegungen zu respektieren, sagt er. Noch wisse keiner, wie es sich entwickeln wird, das Projekt Linkspartei. |
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