Aktuell
Power statt Panik: für gleiche Rechte
Frauen protestierten in Erfurt gegen »Hartz IV« und konservative Familienbilder
(von Stefan Wogawa, junge Welt)
Unter dem Motto »Frauen wehrt euch!« demonstrierte am Donnerstag
abend der Landesfrauenrat Thüringen auf dem Erfurter Domplatz für eine
geschlechtergerechte Wirtschafts- und Sozialpolitik. Mit der Aktion sollten
frauenpolitische Forderungen zum 1. Sozialforum in Deutschland eingebracht
werden. Der Protest richtete sich vor allem gegen die »Hartz«-Gesetze der
Bundesregierung. Gerade von »Hartz IV« seien Frauen besonders negativ
betroffen, kritisierte Silke Bemman, Leiterin des Arbeitskreises
Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik des Landesfrauenrates. Das zeige sich
auch daran, daß zwei Drittel der abgelehnten Anträge auf Arbeitslosengeld II
von Frauen stammten.
Deshalb bildete sich auf dem Domplatz eine Frauenkette, die etwa
einhundert Tücher präsentierte, die alle von Frauen gestaltet wurden, die
von »Hartz IV« betroffen sind. »Die Tücher stellen jedes für sich ein
Einzelschicksal dar, aneinandergereiht zeigen sie die erdrückenden
Auswirkungen der »Hartz-Reformen« als Massenerscheinung«, erläuterte Silke
Bemman. Entsprechend individuell fielen die Bilder und Texte auf den Tüchern
aus. Einige widerspiegelten Resignation (»Trauer«), andere waren anklagend
(»Mit Hartz IV bleibt die Menschenwürde vor der Tür«), nicht wenige
kämpferisch (»Power statt Panik«).
Gleichzeitig wies der Frauenrat, Dachverband von 27
Mitgliedsverbänden, die 200000 Frauen vertreten, auf dem Domplatz auf die
Gefahren hin, die aus seiner Sicht mit der sogenannten »Familienoffensive«
der Thüringer Landesregierung verbunden sind. »Mit der Fixierung auf das
konservative Familienbild werden die Frauen wieder an Heim und Herd
geschickt und die Kinderbetreuung zur Angelegenheit des einzelnen«,
erläuterte Petra Beck, Geschäftsführerin des Landesfrauenrates, die Kritik
an der CDU-Landesregierung. Beck befürchtet, daß die Arbeit in den
Frauenhäusern und Frauenzentren künftig nicht mehr gesichert sei.
Zum Abschluß der FrauenRäume des Sozialforums ist am Sonnabend
ab 12 Uhr eine Kundgebung auf dem Erfurter Anger geplant. Dort sollen die
Texte und Bilder auf den Tüchern durch die Schilderungen persönlicher
Erlebnisse betroffener Frauen ergänzt werden.
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