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TeilnehmerInnen-Befragung des Wissenschaftszentrum Berlin (WZB)

Hintergründe der Befragung während des Sozialforum in Erfurt

(von Mundo Yang - Mitarbeiter des WZB)

Da es berechtigte Kritik aber auch Einiges an Unterstellungen und Ablehnungen gegen unsere Befragung auf dem Sozialforum in Erfurt gegeben hat, möchten wir zunächst die Gelegenheit ergreifen, um verschiedene Punkte klarzustellen. Anschließend sei nochmals eine Darstellung von uns und unserer Arbeit wiedergegeben.

Zunächst einmal war auf den von uns verteilten Fragebögen eindeutig ersichtlich, wer zu welchem Zwecke und in welchen wissenschaftlichen Rahmen die Befragung durchführt. Kontaktadressen (Post, E-Mail, Webseite) waren abgedruckt. Wie bei wissenschaftlichen Umfragen üblich wurden keine Informationen erhoben, die eine Identifikation der Befragten ermöglichen, d.h. die Daten sind anonymisiert. Wir haben die Fragebögen persönlich verteilt und jeden über uns und unser Forschungsinteresse informiert. Hieraus entstanden im Übrigen viele interessante Einzelgespräche, die wir insgesamt sehr ermutigend fanden und die auch gerade wegen vieler inhaltlicher Kritikpunkte sehr produktiv waren. Auf Anfrage hatten wir zudem eine Menge Informationsbroschüren über unsere Arbeit verteilt (siehe auch Anhang).

Wir fanden ebenso wie viele andere die DIN A5-Kurzbefragung irritierend. Zum einen war und ist der Urheber unbekannt. Zum anderen wäre eine Absprache bei einer doppelten schriftlichen Befragung am selben Ort zur selben Zeit zwingend notwendig gewesen. Wir haben in dieser Hinsicht bereits vor Ort in Erfurt viele Vorwürfe abbekommen. Leider wissen wir auch nichts über Anlage, Ziel und Urheber dieser Befragung und können uns nur für die Zukunft wünschen, dass es in dieser Hinsicht mehr Absprache gibt.

Wie Torsten Trotzki bereits klar gestellt hat, haben wir unsere Befragung in Absprache mit den Koordinatoren vorbereitet und durchgeführt. Wir haben bereits Anfang Juni Kontakt zu den Koordinatoren aufgenommen. Daraus folgten verschiedene persönliche Telefonate und ein Austausch per e-mail. Ebenso haben wir bereits Wochen zuvor eine Version des Fragebogens sowie weitergehende Informationen über uns und unsere Arbeit an das Koordinierungsbüro geschickt. Wir haben Verständnis dafür, wenn es Kritik an diesem Modus gibt. Allerdings kann nur die ?Bewegung? (nicht wir als Forscher) entscheiden, ob in Zukunft mehr/andere potentiell Koordinierende, Teilnehmende und Interessierte (Wer? Wo zu erreichen?) vorab informiert werden müssen. Grundsätzlich sind Befragungen eine freiwillige Sache. Wir haben in der Vergangenheit überwiegend positive Erfahrungen gemacht und haben insbesondere eine überdurchschnittlich hohe Teilnahmebereitschaft feststellen können.

Ebenso sei hier noch mal auf uns als Personen verwiesen, also auf Dieter Rucht, Simon Teune, Christoph Haug und Mundo Yang (Dieter Gosewinkel hat übrigens mit der Befragung und unserem Projekt nichts zu tun). Wir sind Bewegungsforscher und gehören zu einem Netzwerk von SozialwissenschaftlerInnen in sechs europäischen Ländern, die sich für ein von der EU-finanziertes Forschungsprojekt zusammengefunden haben, dass vorrangig zum Ziel hat, partizipative, deliberative Demokratie innerhalb der globalisierungskritischen Bewegung zu untersuchen. Wir sind allerdings weder politisch noch institutionell mit der EU verbunden. Keiner von uns wird für die Durchführung der Befragung bezahlt. Die Befragung selbst ist nicht Teil des Projektes, sondern inhaltlich aus dem Kontext des Projektes entstanden. Lediglich Sachkosten wurden von unserem Forschungsinstitut übernommen. Im Gegenteil, die Befragung ist eines von vielen Projekten unsererseits, um soziale Bewegungen und Protest stärker zu thematisieren. Auf ähnliche Weise wurden in der Vergangenheit Teilnehmerbefragungen auf Demonstrationen gegen den Irak-Krieg, verschiedenen anderen Sozialforen und beispielsweise den Hartz-IV-Demonstrationen durchgeführt. Hierbei wurden keine Datenfriedhöfe angelegt. Vielmehr entstanden viele interessante Veröffentlichungen. Literaturhinweise und Texte gibt es en masse auf unserer Webseite. Dieter Rucht ist übrigens vielen Leuten in der Bewegung ein Begriff. Er hat auf dem Sozialforum seinen selbst gemachten Film über Porto Alegre gezeigt, durch seine zahlreichen wissenschaftlichen Beiträge ? über Jahrzehnte ? seine kritisch-positive Einstellung nicht nur zur globalisierungskritischen Bewegung deutlich gemacht und ist darüber hinaus auch bei Attac aktiv.

Wir laden jeden herzlich dazu ein, sich stärker mit unserer Arbeit vertraut zu machen, statt uns pauschal in die Ecke der ?anderen? zu stellen und freuen uns auf weitere anregende Diskussionen.

Unsere Webseite: http://www.wz-berlin.de/zkd/zcm/
Per mail: teune@wz-berlin.de oder mundo@wz-berlin.de


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