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Offener Brief der Katholischen Studierenden Jugend und pax christi im Bistum Trier
von Waltraud Andruet (Email: waltraud_andruet@t-online.de)
Liebe Freunde der Sozialformsbewegung,
beiliegend zur Erfurter Erklärung des Ersten Sozialforums in Deutschland vom 21. bis 24. Juli und zu einem kritischen offenen Brief der KJS und pax christi im Bistum Trier gebe ich euch meinen Eindruck von der Veranstaltung wieder, sodass ihr euch aus den unterschiedlichen Stellungnahmen selbst ein Bild machen könnt.
Versammelt haben sich ca. 2000 Menschen aus verschiedenen sozialen Bewegungen, die in ca. 350 Workshops mitarbeiteten und diskutierten. Schwerpunktthema war die Frage nach sozialer Gerechtigkeit:
- in der Arbeitswelt,
- gegenüber der Globalisierung,
- um die Frage nach der politischen Rolle Deutschlands unter den Vorzeichen der
Globalisierung,
- um Menschenrechte und politische Teilhabe
- um die Europäische Union und die Zukunft der sozialen Bewegung.
- Friedenssicherung in Krisengebieten weltweit
Trotz der zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten waren die Teilnehmer in Erfurt keine gern gesehenen Gäste. Für Unbehagen sorgte das übergroße Polizeiaufgebot, die Abschirmung von der Öffentlichkeit in Erfurt, das keinem Vergleich mit dem offen gestalteten europäischen Sozialforum in Paris standhielt und Beklemmen auslöste. Sogar die Abschlusskundgebung der Demonstration fand im Zelt statt anstatt unter freiem Himmel und hatte damit nicht mehr den öffentlichen Charakter einer Demonstration.
Enttäuschend für mich war außerdem die vergleichsweise geringe Teilnehmerzahl angesichts des großen und vielseitigen Diskussionsangebotes. Trotz anstehender Neuwahlen in Deutschland und politischer Grundsatzdebatten blieb das Interesse an diesen Veranstaltungen bundesweit gering. Nachbesserung von Hartz IV, wie von einem DGB- Gewerkschafter gefordert, konnte auch bei mir nicht auf gegenliebe stoßen, nachdem die Hartz IV- Reform bereits verworfen worden war. Da gab es also auch schiefe Töne zu denen es nur heißen konnte, wie dann ein Sprechchor skandierte: „Hartz IV muss weg!“
Es war allerdings unmöglich, das gesamte Angebot auch nur annähernd zu überblicken, selbst Großveranstaltungen unterlagen der selektiven Auswahl des Einzelnen, sodass mir die in der Presse sehr beachtete Beitrag von verdi-Chef Frank Bsirske mir durch die Lappen ging und ich über seine Ausführungen zur Vermögenssteuer erst aus der Zeitung erfuhr.
Festzustellen bleibt, dass sich die Teilnehmer des Sozialforums über die Ablehnung des fort-schreitenden neoliberalen Umbaus der Wirtschaft und Gesellschaft einig waren. Gefordert wurden der Ausstieg aus der Atomenergie, eine soziale Grundsicherung, friedliche Konflikt-lösungen für politische Konflikte weltweit. Die Erfurter Erklärung liefert euch die Zusam-menfassung der Ergebnisse. Der beiliegende offene Brief formuliert weiter gehende Forde-rungen.
Was ich euch mitgeben kann, ist mein persönlicher Eindruck mit dem Fazit, dass die soziale Bewegung deutlich stärker sein sollte angesichts der zu bewältigenden Aufgaben. Noch gibt es nicht genügend Bürger und Christen, die vehement für die soziale Gerechtigkeit eintreten, allerdings ist bereits der Finger auf die zentralen Probleme gelegt.
Saarwellingen, den 8.8.2005 Waltraud Andruet (sozialforum saar, pax christi saar)
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